As long as you fight back

Januar 30, 2017

The Mad Scientist Review

Here’s the text of the letter that I sent to my representatives in the US Congress today. (I don’t live in the US, but I’m a citizen of it, and I vote.)

Dear {name}:

As I’m sure you’re aware, the President’s first destructive week in office has left many Americans fearful of whether the values of our country will continue to be carried out. You are part of the last line of defense.

As a US citizen who has lived abroad for over 20 years and been through the immigration systems of two countries, the President’s recent executive order on immigration has struck a particular chord with me. It is a cheap shot to fan the flames of xenophobia, and more refugees — not some abstract concept, but real people — will likely die because of it.

I urge you, as my representative, to do everything you can to obstruct…

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Ricardo

Januar 29, 2017

Gestern in der SZ:

http://www.sueddeutsche.de/politik/protektionismus-schlimmer-als-der-haehnchenkrieg-1.3352746

Ein Auszug:

„Die liberale Handelsordnung hat Wohlstand geschaffen, populär war sie nie. Das hängt mit einer besonderen Asymmetrie zusammen. Handel produziert zwar in der Regel mehr Gewinner als Verlierer, die Verlierer sind aber leichter zu organisieren. Wenn ein Ford-Werk von Kentucky nach Mexiko verlagert wird, dann verlieren die Arbeiter dort schnell ihren Job. Die neuen Jobs, die infolge des Handels mit Mexiko irgendwo entstehen, kommen erst noch, ihre Inhaber kann man nicht organisieren.“

Das ist ein merkwürdiges Argument. Wenn Arbeiter im Mexiko ausgebeutet werden und dadurch Arbeiter in den USA ihren Job verlieren, haben die ihren Job verloren, während die Verlagerer (Unternehmen) fette Gewinne einstreichen. Das diese Verlierer dann z.B. Trump wählen, hat nichts mit Organisierbarkeit zu tun, sondern mit Wut und Angst wegen der „Entwicklungshilfe“ auf ihre Kosten. Die ökonomische Betrachtung der Gesamtbilanz, die uns so gerne nach Ricardo und dem komparativen Kostenvorteil unter die Nase gerieben wird und nach der durch die Verlagerung der Arbeitsplätze „die Wohlfahrt beider Länder gesteigert wird“, ist nicht die Betrachtungsweise der Verlierer.

???

Januar 24, 2017

Drei Fragezeichen – Was macht Trump?

Unsere Welt hängt nun einmal zusammen, ist ein Geflecht aus Interessen, Beziehungen, Warenaustausch, Auseinandersetzungen. Es gibt gewisse Regeln, die Konflikte vermeiden, unterschiedliche Interessen ausgleichen und ein halbwegs erträgliches Miteinander gewährleisten sollen. Terroristen verstossen massiv und bewusst gegen alle Regeln.

Nun verstösst einer gegen Regeln, ein Grossmaul, ein Grapscher, ein Ignorant, ein Lügner, ein Flegel, einer, der vor Kraft kaum laufen kann – Trump. Umringt ist er bei jeder Schreibtischhandlung von einer Gruppe merkwürdiger Gestalten wie Bannon, Pence und anderen, die ihn möglicherweise einhegen sollen.

Das ist einerseits erschreckend.

Andererseits kann das, was in den USA gerade abläuft, auch ein interessantes Vorbild werden. Ein Vorbild dafür, wie man mir nichts dir nichts einen Stock in ein gut geöltes Räderwerk aus Lobbyisten, Gewinnmaximierern, Globalisierungsfanatikern, Silicon-Valley-Fetischisten, Freihändlern und Wirtschaftsegomanen steckt.

Allerdings – der Stock wird wohl von rechts in das Räderwerk gesteckt. Anderen wäre es sicher lieber, wenn der Stock von links in das Räderwerk gesteckt würde.

Das ganze, vor unseren Augen ablaufende Geschehen hat auf alle Fälle das Potential, die einschläfernde Alternativlosigkeit bei uns aufzuschrecken, mehr noch als AfD oder andere Phänomene.

Betrachtungen

Januar 22, 2017

Die Inauguration eines Wirtschaftspsychopathen zum 45. Präsidenten der USA gibt Anlass zu weitergehenden Betrachtungen.

Wonach sollen wir unser Handeln richten?

Ist es, wie manche meinen, die Bergpredigt?

Ist es eine der grossen Religionen, deren Anhänger sich häufig bekriegen, gegenseitig massakrieren und die heiligen Stätten anzünden und zerstören?

Es gibt einen anderen Ausgangspunkt für unser Handeln, der selbst nicht verhandelbar ist, nicht geleugnet werden kann und dauerhaft bestehen bleibt. Dieser Ausgangspunkt lässt sich anhand eines einzigen Fotos illustrieren, das berühmt geworden ist.

Apollo-11-moon-large

Das Foto, das während einer der Apollo-Missionen aus der Mondumlaufbahn heraus aufgenommen worden ist, zeigt Dreierlei, nämlich  (1) eine von der Sonne beleuchtete, lebendige, leuchtend blau-weisse Erde mit Wasser, Wolken und Ländern, (2) einen trostlosen staubigen, lebensfeindlichen Mond und (3) den leeren schwarzen Weltraum drum herum.

Das ist die Situation: Unser Raumschiff Erde, auf dem wir zusammen mit allen anderen Lebewesen leben, ist ein in sich abgeschlossenes System, dass – allen Marsphantasien zum Trotz – in näherer und fernerer Zukunft nicht werden verlassen können, um irgendetwas vielversprechend Neues aufzubauen. Das nächste Sonnensystem, Alpha-Centauri, ist mehrere Lichtjahre entfernt, und ob es dort irgendetwas zu besiedeln gibt, ist nicht bekannt.

Um uns herum ist schwarze Leere, nur durchbrochen von ein paar unwirtlichen Planeten, die – entgegen allen SciFi-Vorstellungen – nicht einmal ansatzweise für ein Ersatzleben in Frage kommen.

Wir sind auf der Erde also auf uns selbst gestellt, sind mit Allem ausgestattet, was uns ein auskömmliches bis gutes Leben ermöglicht – wenn wir auf der Erde zusammenarbeiten, aufhören, die Erde zu plündern, aufhören, uns gegenseitig das Leben schwer zu machen, sei es aus Gier, Egoismus, Hass, Ideologie.

Wir haben mit Waffen, Raubbau, Verseuchung, Überbevölkerung alle Möglichkeiten in der Hand und sind gerade dabei, unsere Lebensgrundlagen auf der Erde zu verschlechtern oder ganz zu zerstören – wenn wir nicht innehalten und unsere Situation auf der Erde von aussen betrachten.

Die Apollo-Astronauten, die zum Mond geflogen sind, hatten, als sie die Erde aus dem Blickwinkel des oben gezeigten Fotos sahen, alle ihr Erweckungserlebnis. Das wird z.B. aus dem folgenden Beitrag deutlich:

http://www.huffingtonpost.de/2015/10/27/astronauten-kehren-zur-erde-zurueck_n_8397728.html

Uns, die wir hier unten mit menschlichen Beziehungen, mit dem Beruf, mit Krankheiten, mit Versicherungen, mit der Politik, mit dem täglichen Leben kämpfen, bleibt ein solches Erweckungserlebnis versagt.

Und dennoch.

Die von aussen geschaute Ausgangssituation ist das, von dem wir ausgehen müssen und aus dem wir praktische Handlungsweisen ableiten können, aus dem wir ableiten können, dass ein US-Präsident wie der jetzige einen extremen Rückschritt bedeutet auf dem Wege, mit allen auf der Erde ein gedeihliches Zusammenleben anzustreben – weil wir nichts Anderes haben.

Es fragt sich auch, was es den Menschen nützt, in einem ständigen wirtschaftlichen Wettbewerb mit immer mehr Automatisierung, Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz die Menschen in Bedrängnis zu bringen, einzig zum Wohle derer, die von Silicon Valley aus „das nächste grosse Ding“ auf die Beine stellen wollen, oder mit ihren gehorteten Vermögen renditeträchtig die Automatisierung finanzieren.

Das Internet ist eine wichtige Errungenschaft auf dem Wege der Wissensverbreitung und der Kommunikation Aller mit Allen. Wie hätte man sonst früher so einfach z.B. einen Harvardkurs in Philosophie mit Michael Sandel erleben können:

Das Smartphone, die VR-Brille, das Internet der Dinge, Industrie 4.0, sind auf dem Wege,  die Menschen zu isolieren und zu marginalisieren und schaffen neue Möglichkeiten, durch Hacken oder andere Angriffe ganze Systeme unter Kontrolle oder zum Einsturz zu bringen.

Wir sollten uns besinnen, besinnen auf das Wesentliche.

 

 

 

Smombies

Januar 7, 2017

Wer noch nicht selbst in den digitalen Autismus abgetaucht ist, hat es auf öffentlichen Plätzen, in der S-Bahn oder in einer Fussgängerzone sicher schon selbst erlebt und mit einem eigenartigen Gefühl zur Kenntnis genommen: Ein grosser Teil der Mitmenschen, Jung und Alt, Männer und Frauen, haben den Kopf gesenkt, blicken auf ihr Smartphone,  hacken mit einem Stakkato beider Daumen Kurznachrichten in das bläulich leuchtende Teil oder gehen, das Gerät vor sich haltend, abwesend durch die Strassen, als Traumwandler, Tagträumer, Abwesende, „Smombies“.

Die Entwicklung der VR-Brille lässt nichts Gutes ahnen, kann man sich doch vorstellen, dass die Leute mit der Brille vor den Augen demnächst in der S-Bahn im virtuellen Geschehen unterwegs sind und dann um sich schlagen, lachen, Grimassen schneiden und anderes mehr.

In der NZZ war nun dazu eine hochinteressante Betrachtung zu lesen.

https://epaper.nzz.ch/#article/6/Neue%20Zürcher%20Zeitung/2017-01-06/35/203161148

Da wurde etwas thematisiert, was ich an mir selbst auch beobachten kann:

„Was uns ärgert, ist zunächst die Vernichtung des Zufalls. Denn wie kann sich noch etwas ereignen, wenn selbst in der Öffentlichkeit alle in ihrer eigenen Welt sind? Ärgerlich ist, dass wir nicht infrage kommen, dass wir keine Rolle spielen, dass wir ignoriert werden. Es ist die Einsamkeit, in die uns die «Smombies» öffentlich stossen, die wir ihnen übelnehmen.“

Das ist die eine Seite dieser Entwicklung, die Abkapselung der anderen, die Weigerung, sich in irgendeiner Weise mit der Umwelt und mir im Speziellen zu verbinden.

Es wird aber noch eine andere Dimension angesprochen:

„Weniger selbstmitleidig lässt sich dieser Ärger aber auch geschichtsphilosophisch lesen. Wird der Raum auf eine Zeit des Unterwegsseins reduziert, wird zugleich die Zeit ignoriert, die in ihm Ausdruck findet: die Bauten der Vergangenheit, die Strassennamen, die Denkmäler, die durchgedrückten Balken einer Bank, die Schicksale, um die ein Stein weiss. In der Biografie des öffentlichen Raumes liegt das Bewusstsein von Geschichte. Diese Biografie, dieses Bewusstsein geht verloren, wenn dieser Raum den Kampf um Aufmerksamkeit an den Cyberspace verliert.

Es gibt eine zweite, nach vorn gerichtete Form der Zeitvernichtung. Ein Merkmal der sozialen Netzwerke besteht darin, dass Selbst-Realisation immer unter Aufsicht und Konkurrenzdruck stattfindet: im Wettbewerb mit der Selbstdarstellung der anderen, im Kampf um Anerkennung via Likes und Views, analysiert von Algorithmen, denen kein Link entgeht, auf den man klickt. Der wirkliche Freiraum des Individuums verlagert sich in den öffentlichen Raum, wo Fremde sich zufällig begegnen und jenseits der Regeln ihres üblichen Daseins spontan alternativ sein können.

Der öffentliche Raum wird somit zum letzten Refugium des Privaten, unkontrolliert im doppelten Sinne, frei von Planung und frei für Ungeplantes. Dieses Refugium geht verloren, wenn die Smartphones den Einflussbereich der sozialen Netzwerke auf die Strassen und Cafés ausweiten. Kaum jemand sieht dann noch die anderen als Angebot, kaum jemand ist dann noch offen für das, was kommen mag. Man flieht in die Geborgenheit der sozialen Netze, wo jede App vertraut, jeder Kontakt ein Freund und jede Bedrohung mit einem Klick überstanden ist.“

Das hat etwas.

Reden

Januar 2, 2017

Man wird reden müssen. Nicht übereinander, sondern miteinander.

Auf der einen Seite ist das nicht wiederholte Merkelsche Credo „Wir schaffen das“. Auf der anderen Seite heisst es „Flüchtlinge raus“ bzw. an der Grenze abweisen. Auf der einen Seite sind seit Weihnachten angeblich Merkels Tote zu beklagen. Auf der anderen Seite soll das braune Pack sein.

In der Mitte dazwischen sind diejenigen, die in Not Geratenen, z.B. Kriegsflüchtlingen, helfen wollen. In der Mitte dazwischen ist auch die Forderung nach einer Obergrenze.

Anstatt sich gegenseitig zu verteufeln, sollte man miteinander reden.

Es ist viel versäumt worden.

Man hat in konservativen Kreisen das „ius sanguinis“ hoch gehalten und sich geweigert, Deutschland als Einwanderungsland zu begreifen, zu akzeptieren und nach unserem Willen zu gestalten.

In einer 1995 gehaltenen Rede hat Richard von Weizsäcker bereits folgendes ausgeführt:

Niemand kann übersehen, daß die Zuwanderung in Zeiten sozialer Anspannungen oft heftige Abwehrreaktionen auslöst. Begrüße ich bei mir zu Hause einen Fremden als Gast, so ist er mir willkommen und meines Schutzes gewiß. Kommen aber viele zu uns allen, dann sehen wir in ihnen zunächst die unwillkommenen Wettbewerber für Arbeitsplätze und Wohnungen. Eben deshalb ist eine umfassende, rechtlich geregelte Zuwanderungspolitik vonnöten, die die unterschiedlichen Lösungsansätze für die jeweiligen Gruppen formuliert.

(http://www.zeit.de/1995/11/Wer_ist_der_Fremde_/komplettansicht)

Das ist immer noch der Punkt. Weil nach wie vor eine konsistente, an unseren Interessen ausgerichtete Einwanderungspolitik fehlt, wird das grosszügig gestaltete Asylrecht vermutlich von vielen missbraucht, die aus wirtschaftlichen Gründen einwandern wollen, aber nicht einwandern können.

Da ist dann die abwertende Rede von Asylanten, die aus wirtschaftlichen Gründen „in unsere Sozialsysteme einwandern“ und unsere Systeme belasten.

Ist jemand dagegen, fühlt sich übergangen und nicht gehört, gibt es Proteste, die nicht selten ausarten. Es ist von „Lügenpresse“ die Rede und es wird „Wir sind das Volk“ skandiert. Das wiederum führt zur pauschalen Anschuldigung, man sehe sich einem braunen Mob, ja Nazis, gegenüber.

Die Fronten sind verhärtet und das ist nicht gut für unser Zusammenleben. Es gibt berechtigte Ängste. Es gibt aber auch eine Menge Menschlichkeit und guten Willen, der mitunter hasserfüllt als „Gutmenschentum“ verunglimpft wird.

Wir müssen miteinander reden. Es gibt keine einfachen Lösungen, aber das weitere Vorgehen muss besprochen werden.

Enrichissez-vous!

Dezember 31, 2016

Enrichissez-vous!

„Bereichert Euch“.

Es ist unklar, wer in Frankreich diesen Spruch zuerst und in welchem Zusammenhang gebraucht hat.

Jedenfalls hat er bis heute den negativen Beigeschmack der Gier und des ungehemmten Bereicherns, insbesondere auf Kosten Anderer.

Wikipedia zu Louis-Phillipe I.:
„Unter seiner Regierung nahm das Bürgertum und mit ihm auch die französische Wirtschaft einen ungeheuren Aufschwung, nicht zuletzt durch den Bau der ersten Eisenbahnlinien. Als zynisches Motto dieser Zeit werden häufig die Worte Enrichissez-vous („Bereichert Euch“) genannt. Die Industrialisierung lief an und allmählich entstand ein Proletariat. Die damit verbundenen sozialen Probleme wurden in Louis-Philippes Ära aber vollständig ignoriert.
……
Louis-Philippe verabschiedete sich im Laufe seiner Amtszeit mehr und mehr von seinem liberalen Regierungsstil und schloss sich schließlich sogar der Heiligen Allianz an. Deren erklärtes Ziel war seit dem Wiener Kongress 1815, in Europa die Verhältnisse wiederherzustellen, wie sie vor der Französischen Revolution von 1789 geherrscht hatten, vor allem die Vorherrschaft des Adels und Rückeroberung von dessen Privilegien.“

Kommt mir irgendwie bekannt vor, wenn ich an die USA denke.

Da kommt jetzt unter Trump eine Regierung der Milliardäre, Reaktionäre und Militaristen an die Macht, die zurück in frühere Zeiten aufbricht („Make America (eigentlich nur die USA) great again“), mit Kreationisten, Klimaleugnern, Kohle- und Stahlbaronen, Rassisten, Ayn-Rand-Philosophen und Isolationisten im Schlepptau.

Ein Gutes hat das Ganze ja. Es wird nicht mehr hinter den Kulissen geschoben, bestochen, getrickst und gelenkt, sondern der Kampf der Reichen und Mächtigen gegen die anderen Würstchen (Buffett) tritt offen zutage und wird vielleicht zu einem Aufstand der Würstchen führen, der sich gegen die wirklichen Widersacher richtet.

Wer weiss.

 

Grenzen

Dezember 23, 2016

Aus aktuellem Anlass muss man sich die Frage stellen, ob die Abschaffung der Grenzkontrollen zwischen den EU-Staaten für den einzelnen Bürger ein mehr an Lebensqualität gebracht hat oder nicht.

Der Verdacht ist nicht aus der Welt zu schaffen, dass die Abschaffung der innereuropäischen Grenzkontrollen weniger der Reisefreiheit des einzelnen Bürgers als vielmehr dem ungehinderten freien Warenverkehr zwischen den Ländern dienen sollte.

Es überrascht daher nicht, dass sich Lobbyorganisationen  wie der BDI vehement für die Beibehaltung des freien Grenzverkehrs einsetzen, befindet sich doch ein Grossteil der ausgetauschten Güter in den Lastwagenkolonnen, die durch Europa fahren und just-in-time die benötigten Güter von den Absendern zu den Empfängern bringen.

http://bdi.eu/media/user_upload/MEDEF-BDI-BDA_DE_16.03.2016.pdf

Es ist jedoch in den letzten Jahren deutlich geworden, dass unter diesem wirtschaftlich gewollten und begründeten Freiverkehr die Sicherheit leidet. Nicht die aktuellen Ströme von Kriegsflüchtlingen, meist Familien mit Kindern, die aus Aleppo oder Homs vor den Bomben der   „friedliebenden“ Kriegskoalitionäre oder dem IS flüchten, sind das Problem, sondern fanatische, hochmobile, gut vernetzte Kriminelle und Attentäter, die sich ungehindert durch Europa bewegen und nur schwer zu überwachen und zu kontrollieren sind.

Es war auch vor der Freizügigkeit nicht schwierig, in Europa herumzureisen. Man hat bei stichprobenartigen Kontrollen an der Grenze den Personalausweis gezeigt, das war’s.

Die Freigabe der Grenzen war eine wirtschaftspolitische Entscheidung, die den Bürgern als eine bürgerliche Errungenschaft verkauft wurde. Die Sicherheitseinrichtungen haben damit offensichtlich nicht Schritt gehalten. Der zentrale Datenaustausch funktioniert nicht. Es wird nebeneinander hergewurstelt. Es wird gespart am Personal.

Das Sicherheitsgefühl der Menschen leidet. Es werden Sündenböcke gesucht. Generelle Fremdenfeindlichkeit macht sich breit.

Es lebe die marktkonforme Demokratie.

Das Eis

Dezember 13, 2016

Leute, die in der Wirtschaft das Sagen haben, Manager, BWLer, Egomanen, psychopathische Optimierer, haben meist einen Tunnelblick. Sie sehen ihr Unternehmen im ewigen Konkurrenzkampf mit anderen im In- und Ausland, denken über die Kosten nach und wie man sie reduzieren kann, um wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben, ersetzen, wenn es Vorteile bringt, Festangestellte durch Leiharbeiter oder Dauerstellungen durch Zeitverträge, alles ausgerichtet auf Wettbewerb, Wachstum….und natürlich die eigene soziale Stellung.

Dieses Fokussiertsein ist für das jeweilige Unternehmen wichtig, das Aktionäre zufrieden stellen will, Rendite erzielen muss und Dividende auszahlt.

Immer schädlicher wird dieser Tunnelblick jedoch für die Umwelt, die Ressourcen und vor allem für die Menschen insgesamt, abgesehen von denen, die Geld und Macht anhäufen und sich dorthin absetzen, wo die verursachten Verwerfungen nicht zu sehen und zu spüren sind.

Wenn ich’s mir recht überlege, hat die Wahl von Donald Trump in den USA in dieser Hinsicht doch eine wichtige Wirkung gezeitigt. Die Freihändler, Automatisierer, Industrie 4.0er, die Steueroptimierer und Mindestlohngegner, die neoliberalen Haudraufs und Prekarisierer, die nun plötzlich mit Abiturienten und Studierten ohne richtige Allgemeinbildung und Problemlösungskompetenz unzufrieden sind, nachdem sie Bildungs-Bolognese gefordert haben, alle die Verehrer der marktkonformen Demokratie, haben plötzlich nasse Hosen, haben Angst vor der Irrationalität der Massen, die einen zum Präsidenten wählen, der den Augiasstall ausmisten will, indem er die Pferde hineinschickt.
Das ist eigentlich ein Grund zur Zuversicht. Das Eis bekommt Risse. Vielleicht gibt es demnächst wieder ein freies Fahrwasser.

Heilig’s Blechle

Dezember 7, 2016

Mir ist aufgefallen, dass man die Autofahrer in zwei grosse Kategorien einordnen kann: Die Vorwärtseinparker und die Rückwärtseinparker.

Die Vorwärtseinparker fahren einfach in einen Parkplatz oder eine Parklücke so hinein, wie sie ankommen, mit den Vorderrädern zuerst. Die Rückwärtseinparker fahren vor dem Parkplatz eine kleine Wende und setzen dann mit den Hinterrädern zuerst auf den Parkplatz zurück. Ist der Parkplatz eine Parklücke, ist das Rückwärtseinparken deutlich schwieriger, als das Vorwärtseinparken.

Es gibt nun verschiedene Sondersituationen, die eine bestimmte Art des Einparkens fördern oder geradezu erzwingen.

Eine dieser Sondersituationen ist eine ans hintere Ende des Parkplatzes grenzende Hauswand, die beim Rückwärtseinparken möglicherweise durch Auspuffgase beschmutzt werden kann. Hier kann das Rückwärtseinparken unerwünscht oder sogar verboten sein.

Ein andere Sondersituation ist eine besonders enge Parklücke, bei der man den Raum für Ein- und Ausstieg dadurch vergrössert, dass man „Fahrertür an Fahrertür“ einparkt.

Insgesamt gesehen lassen sich solche Überlegungen aber nur auf eine sehr begrenzte Anzahl von Fällen anwenden.

Ich habe eher den Verdacht, dass die Rückwärtseinparker ihr Auto mehr lieben und mit ihm mehr „verwachsen“ sind als die anderen.

Warum?

Es gibt verschiedene quasi-erotische Beziehungen zum Auto. Der Schwabe nennt dies kurzerhand „Heilig’s Blechle“.

Eine Art der Beziehung liess sich früher z.B. bei 2CV-Fahrern beobachten, für die ihre Ente ein alternatives Lebensgefühl ausdrückte. Bei uns zuhause hatte unser VW-Käfer den Namen „Fridolin“ und gehörte gewissermassen zur Familie.

Eine andere Art der Beziehung ist mit dem in der Werbung häufig verwendeten Begriff „Fahrspass“ verbunden. Das Auto ist schnell, elegant, sportlich, dynamisch, hebt das Ansehen.

In der Autowerbung wird diese Art des Anreizes fast ausschliesslich dadurch betont, dass das Auto schräg von vorne fotografiert und dargestellt wird. Es zeigt dann sein „Gesicht“, vermittelt Dynamik und meist sogar eine gewisse Aggressivität.

Es ist wohl eher diese Art der Bindung an das Auto, die dazu verleitet, rückwärts einzuparken. Man sieht dann nicht das meist von einer Regenfahrt verdreckte Hinterteil, sondern die dynamisch wirkende Frontpartie. Ein guter Eindruck.

An dieser Stelle wird sicher der rationalisierende Einwand kommen, dass man mit einem rückwärts eingeparkten Auto schneller den Parkplatz wieder verlassen kann.

Das ist sicher richtig. Aber dafür geht das Einparken langsamer und ist zudem noch komplizierter.

Und: Wenn man vor der Firma rückwärts einparkt, könnte der Chef daraus schliessen, dass man ungern zur Arbeit kommt und möglichst schnell wieder nach Hause will.

Wenn man vor dem eigenen Haus rückwärts einparkt, könnte die Familie zu ähnlichen Schlüssen kommen.

 

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